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DIE INHUMANS KOMMEN!

MARVEL SUPER-HEROES #15 & AMAZING ADVENTURES #1-10

  
 
 
 
 
Die Inhumans kamen - aber es war eine schwere Geburt!
Als Stan Lee/Jack Kirby in Fantastic Four #41-47 (08/1965 - 02/1966) nach und nach die Inhumans einführten, wurden die neuen Helden sehr positiv von den Lesern aufgenommen, so positiv, daß gar eine eigene Inhumansserie gefordert wurde. Ein Wunsch, dem Marvels Verleger Martin Goodman nur allzu gerne nachgekommen wäre, dies aber nicht konnte, weil sein Vertrag mit dem Distributor Indepentent News (eine DC-Tochterfirma...) nicht zuließ, weitere Serien auf den Markt (an die Kioske) zu bringen(1).

Um die Nachfrage trotzdem irgendwie zu erfüllen, veröffentlichte man in Thor #146-152 (11/1967 - 05/1968) 5-seitige Inhumansgeschichten(2) und begann parallel mit der Arbeit an einer brandneuen "full-length" Geschichte. Denn Indepentend News hatte endlich die "Regeln" gelockert, woraufhin man mit der Planung für eine eigene Inhumansserie begann und eine erste Prototyp-Story anfertigen ließ. Goodman mißfiel das Ergebnis jedoch(3), die Serie starb bevor sie überhaupt begonnen hatte und die fertiggestellte Geschichte wurde kurzerhand in Marvel Super-Heroes #15 (07/1968) verwertet....

Zwei weitere Jahre zogen ins Land und endlich konnte man die erhoffte Serie (Amazing Adventures #1-10, 08/1970 - 01/1972) veröffentlichen -- mehr oder weniger jedenfalls, denn nun vertrat Goodman auf einmal die Ansicht, daß man es nicht übertreiben sollte(4). Und so mußten sich die Inhumans die Serie mit der Black Widow teilen...

Das bedeutete nur 10 Seiten lange Geschichten und schränkte die Autoren entsprechend bei der Ausgestaltung ein - keine guten Startvoraussetzungen. Und dreimal wechselnde Kreativteams trugen wohl auch nicht zum Verkaufserfolg bei, denn nach nur 10 Ausgaben endete die erste "eigene" Serie der Inhumans schon wieder....(5)


___
(1) "[Martin] Goodman publishes many kinds of magazines and periodicals but increasingly, his comic book line is becoming his major profit center. Sales are going up every month...
. . .
He's publishing eight super-hero comics per month. He wants to publish thirty or forty but his distributor won't let him. His distributor thinks the newsstands can't accomodate that many books... Goodman disagrees.
. . .
Again and again, his distributor tells him no... Goodman's distributor at the moment is DC Comics. Honest.
They tell him no. Goodman fumes and chafes but there's nothing he can do."


(2)
"To keep the characters 'alive'..., short tales are added to the rear of the Thor comic."

(3)
"...but Goodman isn't enthusiastic. He decides to shelve the pilot issue and for a time, the whole idea of an Inhumans comic."

(4)
"Goodman--who's been expanding the line--decides he's been expanding too fast. Several new proposed comics are instead reconfigured for two new 'double feature' comics, each featuring two strips."

(5)
"Amazing Adventures doesn't sell all that well so they kick out the other feature and hand it all over to the Inhumans strip... Sales do not soar so Amazing Adventures is cancelled."
(1)-(5) Zitate aus: Vorwort in Marvel Masterworks Inhumans #1 von Mark Evanier (Author of 'The illustrated biography of Kirby: King of Comics')
 
 
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MARVEL SUPER-HEROES #15
"Let the Silence shatter!"
[07/1968, 25 Seiten]
 
WERKTÄTIGE
Autor: Archie Goodwin / Bleistiftzeichnungen: Gene Colan / Tusche: Vince Colletta
 
DRAMATIS PERSONAE
Black Bolt / Medusa / Sandman / Wizard / Trapster
 
Black Bolt scheitert erneut dabei, eine Maschine zu konstruieren, die es ihm ermöglichen soll zu sprechen, ohne dabei eine Katastrophe auszulösen....

Medusa will helfen und hofft bei den
Menschen eine Lösung zu finden .

Tatsächlich scheint ausgerechnet der
Wizard helfen zu können und sein Preis ist "nur", daß Medusa erneut Mitglied der verbrecherischen Frightful Four wird. Das ist per se ein Problem und dann:
Kann Medusa dem Wizard überhaupt über den Weg
trauen...?
 
FAZIT
Zeichnerisch nur Colan-Durchschnitt, sicherlich nicht gerade eine der Paradearbeiten des Altmeisters. Zu bedenken ist dabei allerdings, daß Vince Colletta für die Tuscharbeit verantwortlich zeichnete, der vor allem für seine Zuverlässigkeit und seine schnelle Arbeitsweise bekannt war und nicht dafür, daß er feine/filigrane Details der Bleistiftvorlagen sorgsam herausarbeitete. (Eigenschaften, die ihn bei den Bleistiftzeichnern unbeliebt machten, wohingegen Stan Lee seine erstgenannten Pluspunkte sehr zu schätzen wußte.)
Die recht zahlreich vorhandenen, detaillosen Hintergründe könnten ein Hinweis darauf sein...

Aber. Die typischen von cineastischem Schwung und kreativer Gestaltung geprägten Panels, durch die sich die besten Colan-Arbeiten so sehr auszeichnen, sind in diesem Abenteuer rar. Es ist also nicht umbedingt immer und für alles die Ursache (Schuld) bei Vince Colletta zu finden.
Zumal Goodwins Plot nun auch nicht gerade der beste aller Zeiten ist...
 
 

AMAZING ADVENTURES #1
Beware... the Inhumans!
[08/1970, 10 Seiten]
 
WERKTÄTIGE
Autor: Jack Kirby / Bleistiftzeichnungen: Jack Kirby / Tusche: Chick Stone
 
DRAMATIS PERSONAE
Black Bolt / Crystal / Maximus / Gorgon / Karnak / Human Torch / Medusa
Mr. Fantastic / Thing / Triton
 
Der exilierte Maximus heckt einen heimtückischen Plan aus, um die Herrschaft über die Große Zuflucht der Inhumans (und später die Weltherrschaft...) an sich zu reißen: Er läßt zwei Atomraketen (die nachweislich menschlichen Ursprungs sind...) auf die Große Zuflucht zusteuern, die Black Bolt gerade noch unschädlich machen kann.

Diesen Angriff können die Inhumans freilich nicht tatenlos hinnehmen:
KRIEG!
 
FAZIT
Kirby stellte zunächst die Mitglieder der Inhumans nochmals vor, bevor er sie dann auf Kriegspfad gegen die Fantastic Four losschickt. Denn der wahnsinnige (aber clevere...) Maximus hat das alles ganz geschickt eingefädelt...

Ein arg simpel gestrickter Plot. Er funktioniert, aber das ist es dann auch schon, was es an Positivem dazu zu sagen gibt.
 

  
AMAZING ADVENTURES #2
Friend against Friend!
[09/1970, 10 Seiten]
 
WERKTÄTIGE
Autor: Jack Kirby / Bleistiftzeichnungen: Jack Kirby / Tusche: Chick Stone
 
DRAMATIS PERSONAE
Black Bolt / Crystal / Karnak / Franklin Richards / Human Torch / Gorgon / Lockjaw
Maximus / Medusa / Mr. Fantastic / Susan Richards / Thing / Triton
 
Black Bolt und die Inhumans suchen das Baxter Building auf, wo es zum (handgreiflichen) Konflikt mit den Fantastic Four kommt.

Doch schließlich erfahren sie, wer wirklich hinter dem Raketenangriff
steckte...
 
 
FAZIT
Die Zeichnungen sind wie im ersten Teil ok, die Story hingegen bleibt mau, da hilft's auch nicht viel, daß Benji + Lockjaw immer unterhaltsam ist.
Das Beste daran ist noch, daß Kirby am Ende daraus eine Parabel auf den Kalten Krieg macht, ob sich die Menschheit wohl gegenseitig vernichten oder (wie Inhumans und FF in diesem Abenteuer) friedlich einigen wird...
 

 
AMAZING ADVENTURES #3
Pawns of the Mandarin
[11/1970, 10 Seiten]
 
WERKTÄTIGE
Autor: Jack Kirby / Bleistiftzeichnungen: Jack Kirby / Tusche: Chick Stone
DRAMATIS PERSONAE
Black Bolt / Gorgon / Karnak / Mandarin / Medusa / Triton
 
Die Inhumans machen eine Ausgrabungsstätte des Mandarins
 platt, da der Ort ihre Große Zuflucht verraten könnte.

Der Mandarin plante all dies freilich und will mit den Inhumans als seinen "Bauern" das 'Eye of Yin' finden, das unendlich große Macht verleiht...

 
 
FAZIT
In Kirbys Arbeiten finden sich immer mal wieder Panels, die geradezu grotesk wirken (diesmal 1 Panel), die Geschichte gefällt mir dafür etwas besser. Zumindest sehr, sehr klassisch, worin auch schon wieder ein Problem liegt, denn für 1970 war die Storyidee schon reichlich altbacken - allemal für Marvel-Verhältnisse.
 

 
AMAZING ADVENTURES #4
With these Rings, I thee kill!
[01/1971, 10 Seiten]
 
WERKTÄTIGE
Autor: Jack Kirby / Bleistiftzeichnungen: Jack Kirby / Tusche: Chick Stone
 
DRAMATIS PERSONAE
Black Bolt / Gorgon / Karnak / Mandarin / Medusa / Triton
 
Die Inhumans finden das 'Eye of Yin', doch der Mandarin kann es ihnen entreißen.

Nun allmächtig scheint der Schurke gewonnen zu haben, doch mit vereinten Kräften machen ihn die Inhumans klein und Black Bolts 'Hypnostrahl' entreißt dem Mandarin all seine Ringe/Macht.

 
 
FAZIT
Es bleibt dabei: Eine "altmodische" Geschichte, letztlich nur ein Neuaufwasch zigfach verwendeter Ideen. Selbst bei den Zeichnungen recycelte sich Kirby selbst.
Und dabei hatte er nur 10 Seiten zu befüllen...
 
 
FAZIT zu Jack Kirbys AA-INHUMANS
Endlich hatte Kirby volle kreative Kontrolle über eine Serie (wenn es auch nur ein B-Titel war), aber das waren schwache Geschichten, anders kann man das nicht bewerten. Keine frischen Ideen, die Zeichnungen routiniert aber auch irgendwie lieblos.
Hierbei ist allerdings anzumerken, daß die Geschichten von Jack bereits als zwei 20-seitige Abenteuer fertiggestellt worden waren und er - auf Verlangen von Marvel - die Geschichten nachträglich in vier 10-seitige Storys umbauen mußte (vgl. unten das Vorwort von Mark Evanier). Ich bezweifle, daß diese (erzwungene) Maßnahme den Geschichten zuträglich war, allerdings glaube ich auch, daß das keinen sehr großen Unterschied gemacht hätte.

Vermutlich hatte sich Kirby geistig einfach schon von Marvel verabschiedet, das neue (anscheinend fragwürdige) Vertragsangebot von Marvel (1970) lehnte er ab und ging zur Konkurrenz namens DC. Daß er bessere Geschichten schreiben konnte, bewies er dort wohl (mangels Kenntnis maße ich mir über seine DC-Geschichten kein Urteil an), aber auf Dauer wurde er dort offensichtlich auch nicht glücklich.

So kehrte er für etwa zwei Jahre (1976-1978) noch einmal zu Marvel zurück und schrieb/zeichnete dort (unter anderem) Captain America (vgl. Hachettes Marvel-Comic-Sammlung Band #118) und vor allem Eternals und Black Panther, über die er erneut die vollständige kreative Kontrolle hatte. Mir hat vor allem sein Black Panther (überraschend) gut gefallen, weil Kirby seine Ideen hier optisch und erzählerisch gelungen in Szene zu setzen wußte.

Wer die Geschichten selbst lesen möchte, greift (wie ich) wohl am besten auf die US-Ausgaben zurück (Eternal Omnibus, MMW Black Panther #2), denn bei Panini hat es nur zu "Charakter-Überblicken" gereicht, die jeweils nur das erste Heft von Kirbys Serien enthalten [Eternals Anthologie* (11/2021), Black Panther Anthologie (10/2022)].


*Nicht davon täuschen lassen, daß die Marvel USA- und Panini-Ausgabe dasselbe Covermotiv haben. Die deutsche Ausgabe hat 324 Seiten, die US-Ausgabe hingegen 1.104...
 
Mark Evanier über den marktbedingt holprigen Start der Inhumans
"The Inhumans make their debut in Fantastic Four #45 and are an instant sensation. Mail begins to pour in asking--nay, demanding the Inhumans in their own comic. It's an obvious, terrific idea but there's still that one problem. Goodman's distributor still won't let him add new titles. The marketplace, they insist is to fragile.

The Inhumans continue to turn up now and again in Fantastic Four and other Marvel titles... and the mail continues to request that they get their own comic. To keep the characters 'alive' until that might happen, short tales are added to the rear of the Thor comic.

A couple of years pass. Goodman's business arrangements are evolving and he no longer has as many restrictions on how many comics he can publish. One of the first things he wants to get going is that long-awaited Inhumans book. Lee and Kirby are too busy to handle it just than, so Stan assigns the writing to the talented Archie Goodwin, who has recently joined the staff as a writer and assistant editor. The decision is made that since the Marvel line seems a bit weak on strong female charakters, the new book will put its main emphasis on Medusa.

An artist new to Marvel is assigned to draw a pilot issue. He and Archie haven't even finished it when Stan sees some pages and decides the artist is all wrong. He's paid off, his work is discarded and Goodwin begins again with the skilled Gene Colan as illustrator. This one turns out much better, Stan thinks... but Goodman isn't enthusiastic. He decides to shelve the pilot issue and for a time, the whole idea on an Inhumans comic. A few months later, the story by Archie and Gene is published in Marvel Super-Heroes, an anthology book.

Another year passes and they decide to try again. This time, taking no chances, they assign Jack Kirby to not only draw the comic but write it, as well. Jack produces two issues but before they can be scheduled, Goodman--who's been expanding the line--decides he's been expanding too fast. Several new proposed comics are instead reconfigured for two new 'double feature' comics, each featuring two strips. Kirby retools his two 20-page stories into four 10-page stories. By the time they see print, he's made his monumental exit from Marvel so Roy Thomas and Neal Adams step in."
Aus: Vorwort in Marvel Masterworks Inhumans #1 von Mark Evanier (Author of 'The illustrated biography of Kirby: King of Comics')
 

 
AMAZING ADVENTURES #5
His Brother's Keeper!
[03/1971, 10 Seiten]
 
WERKTÄTIGE
Autor: Roy Thomas / Bleistiftzeichnungen: Neal Adams / Tusche: Tom Palmer
DRAMATIS PERSONAE
Black Bolt / Gorgon / Joey / Karnak / Maximus / Medusa / Triton
 
 
Black Bolt verläßt die Große Zuflucht und reist nach San Francisco, um mehr über die Menschen zu lernen, damit eines Tages vielleicht die Inhumans zusammen mit den Menschen leben können.

Doch in der Großen Zuflucht befreien Karnak und Gorgon den wahnsinnigen Maximus, der von Black Bolt (aus gutem Grund) in einen Kryonik-Tiefschlaf versetzt worden war.
Denn Maximus hat eine Superkraft erlangt--die Fähigkeit das Gedächtnis von Personen auszulöschen.
Und Maximus' erstes Opfer ist kein anderer als Black Bolt!

Die Gefahr: Ohne Erinnerung könnte Black Bolt ansetzen zu sprechen und so die ultimative Katastrophe auslösen...
 
FAZIT
Ein großer Kontrast zu Kirbys Geschichten: Roy Thomas schuf eine feine, neue Variante für Black Bolts ewiges Dilemma, garniert mit poetisch-blumigen Texten und Neal Adams dynamischen, anatomisch korrekten Zeichnungen.
So bereiten auch - objektiv beurteilt - mittelmäßige Geschichten viel Lesespaß.
 

AMAZING ADVENTURES #6
Hell on Earth!
[05/1971, 10 Seiten]
 
WERKTÄTIGE
Autor: Roy Thomas / Bleistiftzeichnungen: Neal Adams / Tusche: John Verpoorten
 
DRAMATIS PERSONAE
Black Bolt / Gorgon / Joey / Karnak / Maximus / Medusa / Roscoe / Triton
 


Während der nun gedächtnislose Black Bolt in San Francisco eine Beinahekatastrophe (mehr Katastrophe als beinahe...) auslöst, sichert sich Maximus in der Großen Zuflucht die Herrschaft über die "normalen" Inhumans, da er sie (im Gegensatz zur königlichen Familie) mental steuern kann.
 
Die Mitglieder der königlichen Familie der Inhumans hingegen müssen vor dem angreifenden Mob fliehen...




 
FAZIT
Schwächer als der erste Teil der Geschichte, aber ein paar gelungene Adams-Panels sind
immer drin.

 
AMAZING ADVENTURES #7
An Evening's Wait for Death!
[07/1971, 10 Seiten]
 
WERKTÄTIGE
Autor: Gerry Conway / Bleistiftzeichnungen: Neal Adams / Tusche: John Verpoorten
 
DRAMATIS PERSONAE
Black Bolt / Gorgon / Joey / Karnak / Lionel Dibbs / Medusa / Triton
 


Karnak, Gorgon und Medusa machen sich nach San Francisco auf, um Black Bolt zu finden.
Und sie finden ihn, jedoch erst
nach "Mister (Lionel) Dibbs", der den noch immer gedächtnislosen Black Bolt für seine ganz eigenen Zwecke einspannen will: Einen militanten Aufstand der schwarzen Bevölkerung gegen die weiße Obrigkeit...



FAZIT
Gerry Conway übernahm für eine Ausgabe von Roy Thomas und was soll ich sagen, Gerry Conway ist kein Roy Thomas -- wobei ich dieses (negative) Urteil nicht wegen dieser einen Geschichte fälle, sondern auf Basis seines gesamten Schaffens für Marvel, wovon mich außer einer relativ kurzen Phase bei Spider-Man (Tod von Gwen Stacy, Klonsaga, Punisher) nichts wirklich beeindruckt hat. Den "Marvel-Jargon" beherrschte er ohne Zweifel, nur seine "Plots" halte ich zumeist für nur mäßig gut gelungen.

Schwer zu sagen, ob/wieviel Roy Thomas am Plot dieser Inhumansgeschichte mitwirkte (ich konnte dazu keine Hinweise finden) oder ob sich sein Beitrag darauf beschränkt, daß Black Bolt sich gerade in San Francisco aufhielt etc. Wer wollte kann/könnte vermutlich feststellen, daß der Story-Hintergrund heute genauso relevant ist/sei, wie in den Siebzigern. Ist es deswegen (automatisch) eine gute Geschichte? Das ist wie immer Ansichtssache, aber für mich nicht wirklich, zumal ich die Zeichnungen nicht zu Neal Adams besten Arbeiten zählen würde.

Die Storyidee dazu könnte meines Erachtens nach jedenfalls auch genauso gut von Roy Thomas gekommen sein und zumindest scheint es mir damals ein Stück weit mutiger gewesen zu sein, solchen Kontext zu thematisieren - gesellschaftlich relevant war es zweifelsohne.
 

 
AMAZING ADVENTURES #8
An Hour for Thunder!
[09/1971, 10 Seiten]
 
WERKTÄTIGE
Autor: Roy Thomas / Bleistiftzeichnungen: Neal Adams / Tusche: John Verpoorten
 
DRAMATIS PERSONAE
Black Bolt / Captain America / Goliath (Clint Barton) / Gorgon / Joey / Karnak
 Lionel Dibbs / Medusa / Quicksilver / Roscoe / Scarlet Witch / Thor / Vision
 

Lionel Dibbs Tage auf der Erde sind gezählt, denn er ist totkrank.
Dr. Donald Blake konnte ihm mit seiner Behandlung etwas Aufschub verschaffen, was Dibbs nutzen will (scheinbar mit Black Bolt als seinem willenlosen Helfer), um seine Ziele durchzusetzen.

Doch Thor stoppt Dibbs und als der angebliche Black Bolt zum Sprechen ansetzt, tötet ihn das Gewitter, dessen Blitzernergie durch das
Kostüm aufgefangen wird.
Getötet wird der Hochstapler Roscoe, denn der echte Black Bolt ist nie dort gewesen...
 
FAZIT
Die Avengers bzw. Thor als Gaststars bei den Inhumans, kein Wunder, daß Roy Thomas den hier nicht zu Ende geführten Storyfaden (Black Bolts Amnestie) in Avengers #95 aufnahm (und dort abschloß), zumal da Neal Adams beide Geschichten zeichnete.

Im Kern ist die Geschichte natürlich eine gesellschaftskritische Reflexion der Auseinandersetzung "Schwarz gg. Weiß", aber Thomas verlieh ihr mit Lionel Dibbs menschlicher Tragödie mehr emotionalenTiefgang. Auch gelang ihm für den Abschluß ein (mehr oder weniger) überraschender Storykniff, den er in Amazing Adventures #6 (der Kleingangster Roscoe nimmt Black Bolts Kostüm an sich) vorbereitet hatte.
Die Zeichnungen halte ich wieder für eine "gemischte" Angelegenheit, diesmal aber mit deutlich mehr starken Panels und einer sehr gelungenen Eröffnungsseite, die durch Thomas' Dialog einen besonderen Nostalgiebonus erfährt--wahrlich ein frühes Abenteuer, wenn Captain America/Scarlet Witch noch gar nicht mal wissen, wer Black Bolt ist...

Insgesamt denke ich aber, daß die Geschichte mehr Potential gehabt hätte. Vielleicht boten 10 Seiten einfach zu wenig Platz, um sie tragfähiger erzählen zu können.

 
AMAZING ADVENTURES #9
...and the Madness of Magneto!
[11/1971, 20 Seiten]
 
WERKTÄTIGE
Autor: Gerry Conway / Bleistiftzeichnungen: Mike Sekowsky / Tusche: Bill Everett
 
DRAMATIS PERSONAE
Black Bolt / Gorgon / Joey / Karnak / Magneto / Medusa
 

Gorgon, Karnak und Medusa haben ihre Suche in San Francisco nach Black Bolt noch längst nicht aufgegeben, sind aber reichlich frustriert...

Tatsächlich sucht aber auch jemand nach den Inhumans--der schurkische Magneto, dem es mit Hilfe seiner horrenden Mutantengehilfen gelingt, zuerst Black Bolt und dann auch die drei übrigen Inhumans in seine Gewalt zu bringen.
Sein Plan: Die Inhumans sollen ihm helfen, die (Welt-)Herrschaft an sich zu reißen...


 
FAZIT
Gerry Conway füllte die zeitliche Lücke bis zur Veröffentlichung von Avengers #95 (AA #10 erschien zeitgleich mit Avengers #95) mit einem Zweiteiler, der wirklich nichts anderes als ein Lückenfüller war: Die Storyline um Black Bolt sollte/durfte er nicht auflösen, das behielt sich Roy Thomas für Avengers #95 vor. Das Resultat war ein Abenteuer nach Standardstrickmuster, schon OK, aber nun wahrlich nichts Beeindruckendes.
Zu Conways Ehrenrettung sei aber auch angemerkt, daß er noch ganz am Anfang seiner Autorenkarriere stand (er war noch ein Teenager, als er bei Marvel anfing) und er sollte - wie weiter oben bereits ausgeführt - in der Zukunft allemal bessere Storys schreiben .

Zeichner Mike Sekowsky war hingegen alles andere als ein "Greenhorn". Sekowsky hatte bereits in den 40/50iger Jahren zunächst für Marvel/Timely und später für DC gearbeitet und zeichnete danach (bis Mitte der 70iger) noch eine kleine Handvoll Geschichten für Marvel, wie die beiden Inhumans-Abenteuer.
Er war also ein "ganz alter Hase" und genau so sehen seine Zeichnungen auch aus: schon noch OK, aber altbacken. Dagegen ist die von mir weiter oben kritisierte Arbeitsprobe Jack Kirbys - der sich innerlich von Marvel schon verabschiedet hatte - von herausragender Qualität.
Vielleicht etwas unfair ihn nur anhand seiner beiden AA-Geschichten zu beurteilen, aber so in etwa sehen vermutlich alle seine "neueren" Arbeiten aus. Immerhin, seine Gesichtsportraits sind mitunter wirklich nicht schlecht (Beispiel 1 / Beispiel 2).
 

 
AMAZING ADVENTURES #10
--in his Hand---the World!
[01/1972, 16 Seiten]
 
WERKTÄTIGE
Autor: Gerry Conway / Bleistiftzeichnungen: Mike Sekowsky / Tusche: Frank Giacoia
 
DRAMATIS PERSONAE
Black Bolt / Gorgon / Joey / Karnak / Magneto / Medusa
 
Mit Hilfe seiner 'Universe Machine' verwandelt Magneto einen seiner Mutanten-Handlanger endgültig in ein Monster--ein Monster nunmehr mit der Kraft Black Bolt willenlos zu machen!

Mit des Inhumans Hilfe stiehlt Magneto nun eine neu entwickelte Energiequelle, die ihn unaufhaltsam machen soll...

Doch Black Bolt täuschte seinen Zustand nur vor und zusammen bereiten die Inhumans dem bösen Spuk ein Ende.
 
FAZIT
Gnädigerweise hatte der oben beschriebene "Spuk" nur 16 (AA #9 hat 20) Seiten, denn der zweite Teil der Geschichte ist ohne Zweifel noch schlechter als der erste. Mit Roy Thomas' Storyline sind die beiden Geschichten eigentlich nur insofern verknüpft, daß Triton (letztmals in AA #7) durch Abwesenheit glänzt und Joey (deplaziert wirkend) vorkommt - ansonsten handelt es sich um ein völlig eigenständiges Abenteuer.
Was offensichtlich auch dem Editor aufgefallen war.

'nuff said...
 
 
 
Quellenempfehlungen
Kurz und knapp: Auf Deutsch natürlich Hachettes Marvel-Comic-Sammlung Band #109 (enthält auch die Zweitstorys aus Thor #146-152, es fehlt jedoch die Medusa-Story aus MSH #15), im englischen Original Masterworks Inhumans #1 (2009) oder das Tradepaperback Beware the Inhumans (2018), das noch deutlich mehr Material als das Masterworks enthält.
  
21.12.22
  
  
 
 
 
  

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REZENSION  © 2023 GERNOT ZIPPERLING